Arbeitswelt
Die Prüfungsbesten im diesjährigen Abschlussjahrgang des Garten- und Landschaftsbaus in Schleswig-Holstein sind zwei junge Frauen: Kira Skipper (rechts) und Ella Mainhardt. Der Anteil der weiblichen landschafsgärtnerischen Nachwuchskräfte wächst in Schleswig-Holstein und Hamburg kontinuierlich. Foto: FGL

Raus aus dem Büro, rein ins Grüne

Von Peter Peschel 3 Minuten Lesezeit

Wer denkt, Garten – und Landschaftsbau sei eine reine Männersache, sollte genauer hinschauen. Immer mehr junge Frauen entdecken den Beruf für sich. So wie Kira Skipper und Ella Mainhardt. Beide haben ihre Ausbildung gemacht – und gehörten in diesem Jahr zu den Besten ihres Abschlussjahrgangs in Schleswig-Holstein. Kira wurde Jahrgangsbeste, Ella landete auf Platz zwei.

Was macht eigentlich ein Landschaftsgärtner? Pflanzen setzen, klar. Aber auch Wege bauen, Mauern errichten, mit Maschinen arbeiten, Flächen planen und am Ende sehen, was aus der eigenen Arbeit geworden ist. Man arbeitet mit Pflanzen und Materialien, mit Werkzeugen und Maschinen – und muss trotzdem immer wieder eigene Lösungen finden. Kein Tag sieht deshalb ganz genauso aus wie der vorherige. Für Kira und Ella ist genau die abwechslungsreiche Mischung das Spannende an ihrem Beruf. Es geht um mehr, als nur draußen zu arbeiten und Blumen zu pflanzen.

Draußen sein, kreativ werden, anpacken.

Kira hat bei der Hansestadt Lübeck gelernt. Besonders mochte sie, dass ihre Arbeit nicht irgendwo auf einem Papier verschwindet, sondern mitten in der Stadt zu sehen ist. „Ich freue mich immer, wenn ich an den Orten vorbeikomme, an deren Gestaltung ich beteiligt war!“, sagt die 25-Jährige. Inzwischen studiert sie Freiraumplanung in Osnabrück.

Ella kam eher zufällig auf den Beruf. Eigentlich wollte sie Landschaftsarchitektur studieren und sah die Ausbildung als Vorbereitung dafür. Dann merkte sie, dass ihr die praktische Arbeit besser gefiel als gedacht. „Ich wollte nie einen klassischen Bürojob machen“, erzählt sie. „Dann hat mir die Arbeit aber so viel Spaß gemacht, dass ich dabeibleiben möchte.“

Ganz ohne Muskelkraft geht es dabei nicht. Erde bewegen, Steine tragen oder Materialien verbauen kann anstrengend sein. Aber schwer heben ist längst nicht die einzige Lösung. Maschinen helfen – und manchmal muss man einfach überlegen, wie man etwas anders hinbekommt. „Es gibt schließlich Hebelwirkung“, sagt Ella.

Auch Teamwork spielt eine große Rolle. Wenn etwas zu schwer wird, wird eben gemeinsam angepackt. Für Kira und Ella war das kein Problem. Eher mussten sie sich daran gewöhnen, dass andere ihnen den Job nicht unbedingt zugetraut haben. „Das Problem sind eher die Außenstehenden, die uns Frauen landschaftsgärtnerische Tätigkeiten manchmal nicht zutrauen“, sagt Kira. Ella kennt diese Reaktionen ebenfalls. „Das ändert sich aber meist schnell, wenn sie uns in Aktion sehen.“

Ausbildung ist keine Sackgasse

Die Zahlen zeigen: Immer mehr Frauen entscheiden sich, die Zukunft kreativ zu gestalten.  Das verdeutlicht die Ausbildungsstatistik: 2026 haben in Hamburg und Schleswig-Holstein 220 junge Menschen eine Ausbildung im Garten- und Landschaftsbau begonnen, darunter 42 Frauen – knapp 19 Prozent.

Nach drei Jahren Ausbildung ist außerdem noch längst nicht Schluss. Kira ist inzwischen an der Hochschule, andere bleiben im Betrieb, machen ihren Meister oder schlagen einen ähnlichen Weg ein wie Ella. Sie wollte ursprünglich studieren, hat sich dagegen erst einmal für die praktische Arbeit entschieden. Die Ausbildung kann also Ausgangspunkt für unterschiedliche Richtungen sein.

Vielleicht ist das Interessanteste an ihrer Geschichte: Beide wussten nicht von Anfang an, wo sie landen würden. Erst die Arbeit selbst hat gezeigt, was zu ihnen passt. Und am Ende bleiben von einem Arbeitstag nicht nur Notizen oder Dateien, sondern Orte, die man später wiedererkennt – wenn man dort vorbeikommt.

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