Schreibtisch oder Werkbank? Immer mehr junge Menschen entscheiden sich für Hammer statt Hörsaal. Das Handwerk erlebt ein echtes Nachwuchs-Comeback – gegen den Trend in vielen anderen Branchen. Die Betriebe freuen sich über steigende Azubi-Zahlen, und auch in Hamburg stehen die Zeichen auf Wachstum – Hammer, Schraubenschlüssel & Co boomen.
Bundesweit wurden zwischen Januar und Juni bereits knapp 67.800 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen – ein Plus von 4,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für Handwerkspräsident Jörg Dittrich ist das mehr als nur eine gute Nachricht: „Wir steuern auf das vierte Jahr in Folge mit steigenden Neuvertragszahlen zu.“ So viele neue Verträge im Juni habe es zuletzt 2018 gegeben.
Auch Hamburg mischt vorne mit. Zwar laufen noch die letzten Vertragsabschlüsse, doch die Handwerkskammer rechnet mit einem weiteren Anstieg. Besonders erfreulich: Viele Betriebe melden, dass sie ihre Ausbildungsplätze in diesem Jahr komplett besetzen konnten.
Besonders gefragt sind Azubis in diesen Berufen:
- Bauhandwerk
- Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik
- Elektronikerhandwerk
- Kfz-Mechatronik
Wer noch keinen Ausbildungsplatz hat, muss trotzdem nicht verzweifeln. Ende Juni waren in der Lehrstellenbörse der Hamburger Handwerkskammer noch 1.247 Ausbildungsplätze in mehr als 60 Berufen frei. Die Chancen auf den Traumjob stehen also weiterhin richtig gut.
Warum erlebt das Handwerk gerade einen solchen Höhenflug? Ein Grund heißt: Sicherheit. Viele Jugendliche suchen einen Beruf, der Zukunft hat – und den keine Künstliche Intelligenz einfach ersetzen kann. Dittrich sagt: „Junge Menschen erkennen, dass das Handwerk eine echte Alternative bietet, wenn sie einen sicheren Job haben wollen.“
Eine weitere Entwicklung zeigt sich an den Schulen: Immer mehr junge Menschen machen einen Abschluss. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Abiturientinnen und Abiturienten, die sich immer mehr ganz bewusst für eine Ausbildung im Handwerk entscheiden. Es handelt es sich um einen bundesweiten Trend,
Dazu gibt es im Handwerk bessere Verdienstmöglichkeiten, echte Karrierechancen und das gute Gefühl, jeden Tag etwas Sichtbares zu schaffen. Ob Wärmepumpe einbauen, Häuser bauen oder Elektroanlagen installieren – viele junge Menschen wollen anpacken statt nur klicken. Auch der Beitrag zum Klimaschutz macht viele Handwerksberufe zusätzlich attraktiv.
Doch trotz des Booms gibt es noch eine Baustelle. Frauen sind im Handwerk weiterhin deutlich unterrepräsentiert. Nur rund 20 Prozent der neuen Ausbildungsverträge werden mit jungen Frauen abgeschlossen. Hamburgs Handwerkskammerpräsident Hjalmar Stemmann macht deshalb klar: „Eine unserer größten Herausforderungen bleibt es, junge Frauen für Handwerksberufe zu gewinnen.“
Eins steht fest: Das Handwerk hat sein verstaubtes Image längst abgelegt. Wer heute eine Ausbildung beginnt, hat beste Chancen auf einen sicheren Job, gute Aufstiegsmöglichkeiten – und eine Zukunft, die man mit den eigenen Händen gestalten kann. Ob auf der Baustelle, in der Werkstatt oder beim Klimaschutz – gebraucht werden gut ausgebildete Fachkräfte mehr denn je. Und die Chancen auf einen Ausbildungsplatz stehen aktuell so gut wie lange nicht
