So knacken Sie den Lob-Muffel!

Sie reißen sich ein Bein aus – und Ihr Vorgesetzter reagiert mit betretenem Schweigen. So gehen Sie souverän mit dem Anerkennungs-Geiz um

FOTO: KI-generiert

Sie hängen sich rein, liefern pünktlich ab, springen für Kollegen ein und denken sogar noch einen Schritt weiter. Die Reaktion Ihres Chefs? Funkstille. Kein „Danke“, kein „Gut gemacht“, nicht einmal ein anerkennendes Nicken. Willkommen im Club! Millionen Beschäftigte kennen dieses Gefühl. Die gute Nachricht: Dem wortkargen Boss sind Sie keineswegs hilflos ausgeliefert.

Denn wer glaubt, ein Chef ohne Lob sei automatisch ein schlechter Chef, irrt oft. Manche Führungskräfte sind mit dem Spruch „Nicht gemeckert ist Lob genug“ groß geworden. Andere hetzen von Meeting zu Meeting, beantworten nebenbei 200 E-Mails und vergessen dabei, dass Mitarbeitende keine Maschinen sind. Ein bisschen Anerkennung kostet schließlich nichts – kann aber Gold wert sein.

Warum manche Chefs mit Lob geizen

Arbeitspsychologen sind sich einig: Wer Wertschätzung erlebt, arbeitet motivierter, bleibt seinem Arbeitgeber länger treu und fällt seltener wegen Stress oder Krankheit aus. Fehlt jede Rückmeldung, schleicht sich dagegen schnell Frust ein. Erst sinkt die Motivation, dann die Leistung – und irgendwann macht der Körper oder die innere Kündigung dicht.

Dabei steckt hinter der Schweigsamkeit oft keine böse Absicht. Manche Vorgesetzte glauben tatsächlich, dass Lob Mitarbeitende bequem macht oder die Erwartungen immer weiter steigen. Andere setzen Anerkennung mit Schwäche gleich und meinen, eine Führungskraft müsse vor allem kritisch sein.

Das Problem: Diese Rechnung geht selten auf. Wer ausschließlich hört, was er falsch gemacht hat, verliert irgendwann die Lust, sich besonders anzustrengen. Wertschätzung bedeutet schließlich nicht, jeden Handgriff zu bejubeln. Oft reicht schon ein ehrliches „Danke“, ein kurzes „Das haben Sie gut gelöst“ oder ein anerkennender Satz im Teammeeting. Solche kleinen Gesten kosten nur wenige Sekunden – ihre Wirkung hält dagegen oft wochenlang an.

Fünf Tricks: So gehen Sie souverän mit dem Anerkennungs-Geiz um.

  1. Nach Feedback fragen – statt nach Lob.
    Die Frage „Warum loben Sie mich nie?“ bringt kaum jemanden weiter. Besser: „Was hat Ihnen an meiner Arbeit gefallen – und was kann ich beim nächsten Mal noch verbessern?“ Das wirkt professionell und eröffnet ein echtes Gespräch.
  2. Gute Arbeit sichtbar machen.
    Ihr Chef kann nur würdigen, was er wahrnimmt. Ein kurzer Wochenrückblick oder eine sachliche Zusammenfassung erfolgreicher Projekte sorgt dafür, dass Ihre Leistung nicht zwischen E-Mails und Meetings verschwindet.
  3. Nicht alles persönlich nehmen.
    Manche Vorgesetzte stehen selbst unter Dauerfeuer. Das entschuldigt fehlende Wertschätzung zwar nicht, erklärt sie aber manchmal.
  4. Mit Ergebnissen überzeugen.
    Verlässliche Mitarbeitende, die Probleme lösen statt neue zu schaffen, verschaffen sich Respekt – selbst bei den größten Lob-Verweigerern.
  5. Irgendwann ist Schluss.
    Wer dauerhaft ignoriert, klein gemacht oder öffentlich bloßgestellt wird, sollte handeln. Dann helfen ein Gespräch mit der Personalabteilung, dem Betriebsrat oder – wenn sich nichts ändert – der Blick nach einem neuen Job.

Schweigen hat Grenzen

Wenig Lob ist das eine. Permanente Kritik, Geringschätzung oder öffentliche Demütigungen sind etwas völlig anderes. Wer solche Erfahrungen macht, sollte Vorfälle dokumentieren und sich Unterstützung holen. Niemand muss respektloses Verhalten einfach hinnehmen.

Die gute Nachricht: Oft reicht schon ein offenes Gespräch. Viele Chefs merken erst dann, wie sehr ihre Mitarbeitenden unter der fehlenden Anerkennung leiden. Manchmal genügt genau dieses eine Gespräch – und aus dem Schweige-Chef wird zumindest jemand, der hin und wieder ein ehrliches „Gut gemacht!“ über die Lippen bringt.