Dr. Melanie Leonhard, Präses der Behörde für Wirtschaft, Arbeit und Innovation der Freien und Hansestadt Hamburg, ist Schirmherrin der Jobmesse. Für die Senatorin bringt die Jobmesse Menschen und Unternehmen unmittelbar miteinander ins Gespräch und schafft damit einen Raum, in dem aus Interesse konkrete berufliche Perspektiven entstehen können.
Im Interview erklärt die Senatorin, warum sie die Schirmherrschaft für norddeutschlands größte Jobmesse am 14. Oktober in der Barclays Arena übernommen hat, welche Chancen sie für Hamburgs Arbeitsmarkt sieht und warum Neugier und Offenheit bei der Jobsuche oft wichtiger sein können als ein perfekter Lebenslauf. Und zum Schluss verrät sie, wo sie in Hamburg am besten den Kopf freibekommt.
Sie sind Schirmherrin der Jobmesse von JOBWOCHE. Warum ist Ihnen die Schirmherrschaft wichtig?
„Die Jobmesse bringt Menschen und Unternehmen direkt an einem Ort zusammen. Genau solche Begegnungen brauchen wir auf dem Hamburger Arbeitsmarkt. Denn manchmal beginnt ein neuer beruflicher Weg tatsächlich mit einem einzigen Gespräch. Deshalb unterstütze ich die Jobmesse sehr gern.“
Viele Beschäftigte fragen sich, wie sicher ihre Arbeitsplätze in den kommenden Jahren sind. Wie bewerten Sie die Lage auf dem Hamburger Arbeitsmarkt – was braucht es?
„Hamburg hat einen starken, vielfältigen und aufnahmefähigen Arbeitsmarkt. Das heißt aber nicht, dass jeder Arbeitsplatz so bleiben wird, wie er heute ist. Die wirtschaftliche Lage ist schwierig, gleichzeitig verändern Digitalisierung und neue Technologien viele Berufe. Umso wichtiger ist es, dass Beschäftigte die Chance haben, sich weiterzuentwickeln und Neues zu lernen. Gleichzeitig suchen viele Unternehmen Fachkräfte. Wir müssen beides besser zusammenbringen. Die Jobmesse hilft hier ganz konkret: Vielleicht entdeckt jemand dort einen Beruf oder ein Unternehmen, das er vorher gar nicht auf dem Zettel hatte.“
Künstliche Intelligenz verändert inzwischen viele Branchen. Welche Chancen sehen Sie für den Wirtschaftsstandort Hamburg – und wo besteht Nachholbedarf?
„KI verändert unsere Arbeitswelt mit großer Geschwindigkeit. Für Hamburg sehe ich darin vor allem Chancen. Im Hafen und in der Logistik kann sie zum Beispiel helfen, Warenströme besser zu planen oder Prozesse effizienter zu machen. Das wird auch deshalb wichtiger, weil uns durch den demografischen Wandel künftig weniger Arbeitskräfte zur Verfügung stehen werden. Viele Unternehmen stehen bei der Anwendung aber noch am Anfang. Gerade kleine und mittlere Unternehmen müssen neue Technologien noch ausprobieren, und Beschäftigte brauchen die entsprechenden Fähigkeiten. Mir ist wichtig: KI soll Menschen bei ihrer Arbeit unterstützen – nicht Menschen zu Zuschauern der Entwicklung machen. Gleichzeitig erleben wir, dass sich Menschen verstärkt für Berufe interessieren, die sich nicht durch KI ersetzen lassen – etwa im Handwerk oder in der Pflege. Auch dort bietet Hamburg sehr gute und sichere berufliche Perspektiven.“
Hamburg konkurriert international um Unternehmen, Talente und Investitionen. Was macht den Standort heute besonders attraktiv – und woran müssen wir noch arbeiten?
„Hamburg ist Hafen- und Industriestadt, Handelsmetropole und zugleich ein wichtiger Wissenschafts- und Innovationsstandort. Diese Mischung ist unsere große Stärke. Dazu kommen die kurzen Wege zwischen Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Politik und Verwaltung. Unternehmen brauchen aber auch eine gute Infrastruktur, verlässliche Energieversorgung, gut ausgebildete Fachkräfte und eine Verwaltung, die Entscheidungen schnell und möglichst unkompliziert ermöglicht. Auch das gehört heute zu einem attraktiven Wirtschaftsstandort.“
Auf der Jobmesse treffen ganz unterschiedliche Menschen auf Arbeitgeber. Welche Botschaft möchten Sie ihnen mitgeben?
„Man muss mit 18 noch nicht wissen, was man mit 40 machen wird. Und mit 40 muss man nicht mehr dasselbe machen wie mit 20. Mein Rat wäre deshalb: Sprechen Sie auch mit Unternehmen, die Sie zunächst gar nicht auf Ihrer Liste hatten. Und den Unternehmen würde ich sagen: Schauen Sie nicht nur auf den perfekten Lebenslauf. Vieles kann man lernen. Neugier, Verlässlichkeit und die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen, sind mindestens genauso wichtig.“
Wirtschaftspolitik bedeutet oft Krisenmanagement. Wie schaffen Sie persönlich den Ausgleich – und gibt es einen Ort in Hamburg, an dem Sie besonders gut abschalten können?
„Den einen Ort habe ich nicht. Aber wenn ich den Kopf freibekommen möchte, zieht es mich eher in die Natur – zum Beispiel in die Fischbeker Heide oder in die Harburger Berge. Das ist etwas, das ich an Hamburg sehr mag: Man ist in einer Millionenstadt und kann trotzdem sehr schnell rauskommen. Und manchmal sehen die Dinge nach einem Spaziergang auch schon wieder ganz anders aus.“



