Milliarden-Falle Frührente! Studie sprengt den Mythos von der Rente mit 63

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Sie gilt als das beliebteste Geschenk an fleißige Beitragszahler – doch jetzt sorgt eine neue Untersuchung für mächtig Zündstoff. Würde die abschlagsfreie Frührente nach 45 Beitragsjahren gestrichen, könnte der Staat pro Rentnerjahrgang satte 9,5 Milliarden Euro einsparen. Diese Zahl nannte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), das die Berechnungen im Auftrag der Bertelsmann Stiftung anstellte.

Die sogenannte ‚Rente mit 63‘ erlaubt es Beschäftigten, nach einem langen Arbeitsleben vorzeitig und ohne finanzielle Einbußen in den Ruhestand zu gehen. Nach Angaben der Stiftung machen davon Jahr für Jahr zwischen 250.000 und 280.000 Menschen Gebrauch – eine ganze Viertelmillion, die früher als üblich aus dem Berufsleben aussteigt.

**Modellrechnung für den Jahrgang 1957**

Besonders aufschlussreich ist der Blick auf die Geburtsjahrgänge des Jahres 1957 – die aktuell jüngste Gruppe, die komplett im Ruhestand ist. Allein bei diesem Jahrgang hätte die gesetzliche Rentenkasse rund 10,4 Milliarden Euro weniger ausgeben müssen, wenn es die Sonderregel nicht gäbe. Die Forscher rechnen damit, dass die Betroffenen ohne diese Möglichkeit im Schnitt rund zehn Monate länger gearbeitet hätten. Dem gegenüber stehen allerdings Einbußen bei Steuern und Sozialabgaben von etwa 900 Millionen Euro.

Für André Schleiter, Arbeitsmarktexperte der Bertelsmann Stiftung, ist die Rechnung eindeutig: Das Modell koste den Staat jährlich Unsummen, belaste die Kassen und entziehe der Wirtschaft gleichzeitig wertvolle Erfahrung und Fachwissen. Denn rein finanziell betrachtet ist das längst nicht alles: Dem Arbeitsmarkt würden bei einer Streichung der Regel zusätzlich rund 125.000 Vollzeitkräfte zur Verfügung stehen – ein gewaltiges Polster in Zeiten des Fachkräftemangels.

**Vor allem Gutverdiener profitieren**

Überraschend ist auch, wer überhaupt in den Genuss der Frührente kommt. Anders als oft angenommen, profitieren nicht vorrangig Menschen aus körperlich harten Berufen. Stattdessen sind es vor allem jene mit langen, stabilen Erwerbsbiografien – und damit überdurchschnittlich hohen Rentenansprüchen. Eric Thode von der Bertelsmann Stiftung betont, der eigentliche Gewinn liege darin, erfahrene und gut ausgebildete Kräfte einige Monate oder sogar Jahre länger im Job zu halten.

Die neuen Zahlen reihen sich in frühere Befunde ein. Bereits 2023 kam eine Untersuchung des Prognos-Instituts für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft zu ähnlichen Schlüssen: Ein Auslaufen der Regelung könnte den Personalmangel bremsen und die Beitragszahler spürbar entlasten – allein für 2025 wäre eine Entlastung von rund acht Milliarden Euro drin gewesen. Mehr als 200.000 Arbeitskräfte gingen dem Markt demnach durch das Angebot verloren.

**Kein radikaler Schnitt – aber Ausnahmen**

Vor einer pauschalen Abschaffung warnen die Studienautoren jedoch ausdrücklich. Sie träfe vor allem Menschen mit eingeschränkter Gesundheit hart, die dann gezwungen wären, Abschläge hinzunehmen. Deshalb schlagen die Experten flexible Ausnahmen vor – etwa individuelle Gesundheitschecks, eine modernisierte Berufsunfähigkeitsversicherung oder die Berücksichtigung des Einkommens. Genauso wichtig seien Investitionen in Weiterbildung und gesündere Arbeitsbedingungen.

Die umstrittene Regelung geht auf das Jahr 2014 und die damalige schwarz-rote Koalition zurück. Nun steht das Thema erneut auf der Agenda: Die aktuelle Regierung aus SPD und Union will demnächst über ein Reformpaket zur Rente entscheiden.